slowly we bleed bluNoise records
EFA Medien
© März 1997
 


Reviews zur Debut-CD-Veröffentlichung

Meine Olymp-Favoriten des Monats sind beim BluNoise-Label in der Heimat von Dynamit Nobel zu Hause. Sprengkraft ist dem Schweizer Slow(e)motion-Trio zu bescheinigen, das sich, einer morbide groovenden Ambient-Oper gleich, minimalistisch-schabend durch düster-verzweifelte Ambientfegefeuer frisst, seinen Stil, warum auch nicht, als "Hard-Dub" bezeichnet und freimütig Scorn, Godflesh und Young Gods als Einflüsse preisgibt. Trotzdem, ein Genuss.

WESTZEIT 4/ 1997 Linne

SWB sind Schweizer und sie produzieren so etwas wie Düster-TripHop. Programmatisch an ihrem Namen klebend, fabrizieren eine Frau und zwei Männer auf ihrem Debüt eine morbid kalte Samplegalerie der emotionalen Härte. In den Schreianfällen von Katja Mair liegt Verzweiflung und Wut. Die strikte Einschränkung durch das minimalistische Programming ihrer Mitstreiter Daniel Manhart und Mathias Hofstetter schafft ihr eine willkommene Plattform, um ihre Szenarien aus Unsicherheit, Dunkelheit, Verzweiflung und Aufgabe mal rezitativ wispernd, mal ohnmächtig brüllend auszubreiten. Einmal in Gang gesetzt, muss die Platte durchlaufen, um ihrer Herr zu werden oder in ihr zu versinken. Das akribische Sampling mit einer vermutlich sehr umfangreichen Klassik-Bibliothek im Hinterstübchen funktioniert atmosphärisch dicht und bleibt spannend, so man denn die tief traurige Grundstimmung des Albums erfasst hat. Stimmen, die von überall her kommen, müssen nicht jede für sich wichtige Dinge erzählen. Da ist sehr wenig in der scheinbaren Masse. Als Nachricht, tonal und geräuschvoll verpackt, begreife ich diese Platte, so sie denn begriffen werden soll und nicht nur als das steht, was passiert, wenn man den Kinderwagen zu lange am Hintereingang von Schlachthöfen abstellt. Leckeres Schreckensmobile.

INTRO 4/ 1997 Lars Lücking

Diese Platte beginnt mit einem knapp 30-sekündigen Schrei der Sängerin. Unglaublich, wieviel Luft ein Mensch haben kann. Absonderliche Sounds, ich glaube, es sind Schweizer. Ihre Musik beschreiben sie selbst als Hard Dub und geben als ihre Einflüsse Godflesh und die Young Gods an. Interessant. Aber es gelingt ihnen, den Anspruch der sinnlichen Musik statt verkopfter Musik zu erfüllen. Diese Musik ist sehr repetetiv, wie Dub halt sein muss. Aber durch die improvisierte Gitarre und Stimme bekommt sie eine Lebendigkeit, die auf dem Ambient Dub Background sehr unheimlich wirkt. Sie könnten ihre Tracks ruhig noch 20 bpm langsamer spielen, sie würden dadurch an Spannung noch gewinnen. Slowly We Bleed ist keine Musik zum Entspannen. Eher zum Tagträumen am Tag vor einer schwierigen Entscheidung. "No angel to destroy the voices inside". Ich glaube nicht, dass es viele Bands gibt, die sich so pathetische Sätze heute noch leisten könnten. Hier funktioniert es gut.

KOMM KüSSEN 5/ 1997 Kai

Wer bisher der (irrigen) Annahme war, dass lediglich High-Speed-Techno-Beats das Gemüt malträtieren können, wird bei Slowly we bleed eines Besseren belehrt. Hier wird die Endlosigkeit der Monotonie zelebriert, die Langsamkeit reinkarniert. Minimalistisch instrumentiert und dabei doch extrem effizient. Slowly we bleed wirken äusserst zermürbend auf die Körpersinne ein, kleine Soundpfeile bohren sich in die Gehörgänge, suhlen sich mit sadistischer Freude in der Haut, drehen sich endlos um die eigene Achse. Collagenhaft zusammemgestellt findet sich in diesem Klangmosaik weder Anfang noch Ende, windet sich der partizipierende Hörer gefangen in einem dunklen Klanguniversum und empfindet dabei doch so etwas wie (masochistische) Freude. In den 80ern boten Künstler wie die Neubauten, Nick Cave, Lydia Lunch oder Sonic Youth diese Musik unter Begriffen wie Industrial, Noise oder Independent dar. Slowly we bleed machen im Prinzip nichts anderes, werden aber trendgerecht mit Umschreibungen wie Ambient oder Trip-Hop und Dub vermarktet. Eine schöne Reminiszenz an die 80er, die zeigt, dass auch Bier aus alten Krügen schmeckt.

ZILLO 5/ 1997 Frank Rummeleit